Ein bisschen Zen und schönes Leben

Bei mir wurde eingebrochen; mitten in einer sehr kurzen Nacht hat ein blöder Penner das Wohnzimmerfenster aufgehebelt, während vier Leute in der Wohnung schliefen, sich meinen ungefähr acht Jahre alten Laptop geschnappt, und ist offenbar überhastet wieder abgehauen, ohne auch nur das Netzteil mitzunehmen. Wie ich um ungefähr Viertel vor sieben morgens rekonstruierte, beim Packen für die Wochenendpaddeltour. Dann wurde ich kurz wütend. Und dann rief ich die Polizei und packte meinen Kram fertig und nahm das Angebot meines fabelhaften Freundes, die Kripo-und-Fensterreparatursache zu regeln, gerne an und fuhr trotzdem paddeln. Und hatte ein fantastisches Wochenende.

Ein schönes Erbe: Als meinem Vater seinerseits der Laptop aus dem Auto geklaut wurde, ärgerte er sich kurz über sich selbst – hätte man vielleicht nicht auf dem Sitz liegen lassen sollen, auch nicht für eine halbe Stunde -, beschloss, es halt nie wieder zu tun, kaufte dann zwei Hummer, kochte sie sich und meiner Mutter zum Abendessen, und entschied sich, den Rest des Abends super zu finden. Meine Eltern haben mir wirklich nicht nur astreine Verhaltensmuster mitgegeben, aber das habe ich ausgesprochen gern von ihnen gelernt: sie haben sich nämlich schon früh dagegen entschieden, sich über dumme und ärgerliche Sachen auch nur eine Sekunde länger als nötig aufzuregen oder sich gar aus irgendeinem Schuldgefühl heraus zusätzlich zu kasteien. Es gibt wirklich ernsthafte Probleme oder Dinge, die man verbockt hat, die möglicherweise gravierende Konsequenzen haben, und für die man geradestehen muss. Aber alles andere, was sich nicht ändern lässt – wenn man nicht gerade Probleme mit niedrigem Blutdruck hat und die Aufregung gut gebrauchen kann – ist am besten in einem fluffigen Kissen aus Zen-Gelassenheit aufgehoben.

Klar ist das mal leichter und mal – na, halt nicht so. Als ich nach dem Urlaub mit meinem Freund Schwierigkeiten hatte, die Miete zu bezahlen, kroch das schlechte Gewissen mir den Rücken hoch: Musste das denn sein? Diese Ausgabe? Hätte man es lieber gelassen und wäre dageblieben? – Erstens: Hätte man nicht. Es war traumhafte, seltene Zweierzeit. Und die hätte ich nicht missen mögen. Zweitens: war es ja eh zu spät. Alle Reue taugt nur noch zum nachträglichen Vergällen der schönen Zeit und Sorglosigkeit. Also weg damit.

Eine Weigerung, vor dem Mist, der einem passiert, zu kapitulieren, und die Entschlossenheit, es sich jetzt erst recht umso besser gehen zu lassen. Ich halte das für eine in den meisten Fällen ausgesprochen praktikable Lösung. Es bedeutet, sein Leben in die Hand zu nehmen und niemandem, der dazu keine Befugnis hat, zu gestatten, einem auch nur den Tag zu vermurksen. Und wenn’s einer versucht, macht man sich halt selbst ein Stück schönes Leben. Mit Zen-Gelassenheit. Und ist damit, wenn’s klappt, ziemlich frei.

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2 Gedanken zu „Ein bisschen Zen und schönes Leben

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